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 Calming Signals 
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Beitrag Calming Signals
Wenn Du Deinen vierbeinigen Schatz ein wenig besser verstehen möchtest, wäre es nicht schlecht sich mit den Calming Signals, auch Beschwichtigungssignale genannt, zu beschäftigen! :gassi2:

Wenn Du Hunde oder auch Wölfe in ihrem Verhalten untereinander beobachtest, kannst Du jede Menge dieser Signale sehen. Die finnische Hundetrainerin Turid Rugaas hat durch jahrelange Forschung diese Signale auch beim Hund entdeckt und sie Calming Signals (= besänftigende, beschwichtigende Signale) genannt. Sie hat ein Buch darüber veröffentlicht und auch ein Video in englischer Sprache hier.
Beschwichtigungssignale dienen dazu Aggression, Stress, Angst und unerfreuliche Dinge aller Art zu unterbrechen oder erst garnicht aufkommen zu lassen.




Hmmm… um diese ein wenig zu erklären, möchte ich mal ein paar alltägliche Dinge aufzählen. Teils sicherlich zum Schmunzeln, aber auch manchmal zum Kopfschütteln. Hierbei dreht es sich um die Verständigung zwischen Hund und Mensch …oft vollkommen falsch ausgelegt und darum auch zu Missverständnissen führend.


Mein Hund weiss genau, dass er was falsch gemacht hat.
Nö, weiss er nicht. Er sieht nur unsere Reaktion und versucht uns durch sein Verhalten zu besänftigen oder der Strafe zu entgehen.


Wenn ich meinen Hund rufe und er kommt nicht gleich, dann muss ich nochmal etwas heftiger rufen und stütze meine Arme wütend in die Hüften. Dann kommt er, aber total langsam, am besten noch im weiten Bogen und bleibt auch noch fünf Schritte von mir entfernt sitzen, guckt in die Luft oder an mir vorbei oder legt sich von mir abgewendet hin.
Ja klar, denn er sieht doch an Deiner ganzen Körperhaltung, dass ihn nichts Gutes und Freundliches von Dir erwartet, also wird er langsamer und macht einen Bogen, damit Du ruhiger werden sollst und Deine Wut verraucht, er möchte Dich beschwichtigen. Daher nennt man dies Verhalten auch Beschwichtigungssignale. Dann schaut er Dich auch nicht an, damit er Dich nicht noch provoziert und auch hiermit möchte er Dich milde stimmen. Und was machst Du? Du schreist ihn an… hmm… beim nächsten Mal wird er noch langsamer kommen oder lieber gleich garnicht, weil er so der Strafe und Deiner Wut ausweichen kann.


Mein Hund nimmt mich eh nicht für voll, der schnüffelt bei der Unterordnung oder wenn ich ihm was beibringen will immer auf dem Boden herum oder fängt sogar vor Langeweile an zu gähnen.
Ja, auch hier möchte er Dir zeigen, dass Du nicht so ungeduldig sein sollst. Gib Deine Signale mal freundlicher, lustiger und Du wirst sehen, dass er diese Sachen unterlässt, denn er muss ja keinen milde stimmen, da keiner sauer ist. Manchmal legen sich die Hunde sogar hin, weil ihnen der Druck den wir machen, zu gross ist. Sie versuchen Dir auf ihre Weise zu zeigen, dass Du doch bitte etwas freundlicher und nicht so ungeduldig sein möchtest.
Gähnen baut unter anderem Stress ab, unsere Hunde gähnen oft: in der Wohnung, weil es zu eng ist oder wenn die Menschen sich streiten, halt wenn er sich unwohl fühlt.
Du selber kannst übrigens die Signale auch wunderbar einsetzen. Wenn Du z.b. gähnst bei einem fremden Hund, wenn es hektisch zu geht, wird der Hund dies evtl. als Beschwichtigungssignal erkennen und sich beruhigen. Beim eigenen Hund kann dies anderseits aber auch wieder dazu führen, dass er meint, wir als Leittier wittern Gefahr und versuchen zu schlichten.


Naja meiner ist sicher ein glücklicher Hund, der wedelt selbst dann noch, wenn ich mit ihm laut schimpfe.
Uih der arme Kerl, er hat Angst vor Dir und möchte Dich besänftigen. Nicht jedes Wedeln ist gleichzusetzen mit Freude. Es gibt Situationen wo unser Hund vor lauter Stress oder auch Angst permanent wedelt, leckt er sich auch noch kurz über die Schnauze ist die Stressgrenze dick überschritten und er fühlt sich mehr als unwohl. Also wenn Du Deinen Hund mal ein bisschen besser beobachtest, wirst Du mit der Zeit solche Signale leichter erkennen und Deinen Hund auch besser verstehen. Beobachte mal, wenn Du Dich über Deinen Hund beugst und ihn fest an Dich ziehen willst, wie es viele als Liebesbekundung machen, wie Dein Hund dann reagiert. Die meisten versuchen sich abzuwenden, drehen den Kopf weg, züngeln und werden steif. Das sollte uns deutlich machen, dass wir etwas falsch machen, dass sie sich dabei unsicher und unwohl fühlen.

Eigentlich wollen wir doch aber das unser Hund sich wohl fühlt, wenn wir mit ihm kuscheln oder? Na dann probiere mal verschiedenes aus und Du wirst dabei feststellen, dass es Positionen gibt, die Dein Hund als sehr angenehm empfindet, wo er sich entspannt, sich von sich aus an Dich drängt… dann hast Du die für Deinen Hund passende Schmusestellung gefunden. Und Schmusen kann soooo schön sein :greensmilies265:

Ein kleine Beispiel dafür, wie oft wir unsere Hunde falsch verstehen:




Meiner streckt mir doch oft die Zunge raus, wenn ich ihn fotografiere, der nimmt mich wohl nicht für voll.
Das hat damit garnichts zu tun, im Gegenteil. Er züngelt, weil Du ihm vielleicht zu sehr auf die Pelle rückst mit Deiner Kamera, was ihm unangenehm ist. Er würde gern dieser Situation ausweichen, hat aber im Moment keine Möglichkeit dazu, also versucht er Dir durch das Züngeln zu zeigen: lass mich doch bitte in Ruhe.
Möchte ich noch ein Video zeigen, was Kopf streichen betrifft. Hier gehen die Meinungen wieder stark außeinander.

Und dann ist er auch noch eifersüchtig: "Wenn mich mein Mann umarmt, drückt sich der Kerl oft dazwischen."
Das ist eigentlich kein Zeichen von Eifersucht, sondern nennt sich Splitten. Damit möchte Dein Hund versuchen Euch zu trennen, weil er befürchtet es könnten sich Spannungen aufbauen. Dies machen Hunde auch öfter, wenn zwei wild miteinander spielen, dann geht ein dritter dazwischen und splittet die Beiden.

Kleine Rat, was ich selbe immer wieder bei mein Tussi (Maja) verwende:
Dies kannst Du selber z.b. auch nutzen, wenn Du auf einen fremden Hund beim Spazierengehen triffst und die Beiden an der Leine sind. Dann gehe so, dass Du zwischen Deinem Hund und dem Fremden gehst und versuche dabei, wenn möglich noch einen kleinen Bogen zu gehen. Dies signalisiert kein Drohen und keine Aggressivität und dadurch baut sich evtl. auch nicht so grosser Stress zwischen den fremden Hunden auf. Natürlich nur, wenn Du nicht die Möglichkeit hast, dass die beiden Hunde sich nicht ohne Leine beschnüffeln dürfen und somit ihr Verhalten auch nicht frei bestimmen können.

Hunde untereinander haben eine riesige Ausdrucksweise, dies kann man alles wunderbar feststellen, wenn man Hunde unter sich beobachtet. Sie heben die Pfote, die drehen den Kopf, sie blinzeln, versuchen auszuweichen und werden manchmal sogar zu Zeitlupenfiguren, bei denen jede Bewegung wie fünfmal überlegt wirkt. Aber auch wir können und sollten uns diese Signale zu eigen machen, man kann einem unsicheren Hund damit signalisieren, dass keine Gefahr droht.
Man kann den Kopf abwenden, den Blick senken, gähnen, sich auf den Boden hocken und ein paar Dreckbrocken untersuchen… hihi, zeigt wahre Wunder, wenn die Wuffels unachtsam weiter vor gelaufen sind: wie Frauchen schnüffelt da, dann muss das interessant sein, schnell hin. :rollsmile:

Aber auch hier wieder ein kleiner Einwand meinerseits… Nicht alles lässt sich mit Calming Signals beschreiben bzw. erklären. Nicht immer will ein Hund uns beschwichtigen, wenn er, nachdem wir ihn gerufen haben, z.B noch dreimal pinkelt, bevor er sich endlich mal auf den Weg zu uns macht.
Auch nicht jedes über die Schnauze lecken, ist ein Zeichen von Streß. Das muss man auch im Zusammenhang mit der jeweiligen Situation einschätzen. (Diese zusammenhänge sind eigentlich, das Grund, warum ich sehr selten beim Hundeerziehung Rat gebe)

Genauso wichtig wie diese Calming Signals finde ich persönlich aber auch unsere eigene Ausstrahlung. Achte ein wenig darauf, wie Du Signale gibst und wie Deine Haltung dabei ist. Sehr wichtig, dass Ausstrahlung und Stimme zueinander passen, wenn man seinen Hund nicht verunsichern will.

Und das muss man nicht gleich können!!! Keine Panik, nicht verunsichern lassen, aber man kann es sich lernen, wenn man ein wenig auf sich selber achtet und auf seinen Hund eingeht. Dabei wünsche ich euch ürbigens viel Freude, denn dies schweisst euch irgendwann zu einem prima Team zusammen. :gassi2:

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Liebe Grüße Andrea & Spike & Maja & Balu


21.05.2011, 07:38
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Beitrag Re: Calming Signals
das ist doch wirklich interessant was da dahinter steckt. ich denke eh auch wenn sich die Halter mit dem Tier (egal welchen Hund , Katze, pferd....) wirklich beschäftigen sehen die das. Zumindest kann ich das von un sagen. Bei Floyd sowie bei unseren Katern wissen wir leich woran wir sind. Auch Silvio (3 Jahre) erkennt die Situation schon ziehmlich eindeutig - vorallem bei den Katern :)

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LG Mani mit Floyd , Suki & Balu
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Patenbullys Spike & Perla


22.05.2011, 15:28
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